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Saturnmond Titan im Eisgewand
30 April 2004
Ozeane
aus flüssigem Methan? Landschaften aus organischen Ablagerungen?
Wie es auf der Oberfläche des geheimnisumwitterten Saturnmonds Titan
tatsächlich aussieht, werden erst die Aufnahmen und Messergebnisse
der Huygens-Landesonde der Europäischen Weltraumorganisation ESA
zeigen, die im Januar 2005 auf dem Titan niedergeht. Huygens dürfte
womöglich auf einer gigantischen Eisfläche aufsetzen, wie jüngste
Beobachtungen ergeben haben.
Woraus die Oberfläche des mystischen Saturnmonds
Titan besteht, darüber konnte bislang nur spekuliert werden. Eine
undurchdringliche Atmosphäre aus orangefarbenem Smog verhüllt
das Antlitz des Riesentrabanten.
Einem Team amerikanischer und französischer Astronomen ist es nun
erstmals gelungen, einen direkten Blick durch die mit organischen Verbindungen
geschwängerte Stickstoffatmosphäre des Saturnmondes zu werfen.
Im sichtbaren Bereich sind die orangefarbenen Dunstschleier, die den Titan
verhüllen, undurchdringlich. Lediglich im Infrarot-Bereich lässt
der blickdichte Smog bestimmte Wellenlängen passieren. Durch diese
infraroten Fenster hat nun ein Team von Astronomen um Caitlin Griffith
vom Lunar and Planetary Laboratory der University of Arizona in Tucson
die Oberfläche des Titan beobachtet.
Gewaltige Eisplateaus
Die Wissenschaftler haben das Licht analysiert, das die
Titanoberfläche im Infrarot-Bereich zurückwirft. Wie sie in
der Fachzeitschrift Science berichten, weisen die Ergebnisse darauf hin,
dass etwa ein Drittel der Oberfläche aus Wassereis besteht. Das Reflektionsverhalten
von Titan ähnelt dem des Jupitermondes Ganymed, der von einem soliden
Eismantel umschlossen ist.
„Das ist ziemlich überraschend, denn bislang sind wir davon
ausgegangen, dass die Oberfläche des Titan von organischen Ablagerungen
bedeckt ist“, erläutert Caitlin Griffith. Durch photochemische
Aufspaltung und Reaktion des Methans in der dichten Smog-Atmosphäre,
so die bisherige Annahme, entsteht ein organischer Fallout, der auf die
Oberfläche des Saturntrabanten herabregnet. Das Festland und die
auf dem Titan erwarteten Seen und Meere aus flüssigem Methan müssten
also mit einer dicken Schicht aus organischen Verbindungen bedeckt sein.
Wassereis würde sich dieser Theorie zufolge erst in mehreren hundert
Metern Tiefe unter den organischen Sedimenten finden.
Diese Vorstellung muss nun korrigiert werden. Möglicherweise werden
die organischen Ablagerungen durch Wettereinflüsse bewegt und sammeln
sich in bestimmten Gebieten. Dadurch wird das Eis der Titanoberfläche
– vor allem in den höher liegenden Regionen – freigelegt.
Frostige Urerde
Endgültige
Klarheit über die Beschaffenheit der Titanoberfläche wird erst
das Huygens-Landemodul der ESA bringen, das huckepack auf der NASA-Sonde
Cassini unterwegs zum Saturnsystem ist. Wenn das am 15. Oktober 1997 gestartete
Sonden-Duo im Dezember 2004 in das System des Ringplaneten einfliegt,
löst sich Huygens von der Muttersonde und nimmt Kurs auf den Titan,
um dessen Atmosphäre und Oberfläche vor Ort zu erkunden.
Der mehr als 5000 km durchmessende eiskalte Saturnmond ist im Sonnensystem
einzigartig. Sein Gasmantel aus Stickstoff, Methan und anderen Kohlenwasserstoffen
ähnelt in vielerlei Hinsicht der Atmosphäre unseres Heimatplaneten
vor etwa vier Milliarden Jahren. Eine Beobachtung der Titan-Atmosphäre
und ihrer Wechselwirkung mit der Oberfläche kann helfen, die präbiotische
Chemie und damit die Anfänge der biologischen Evolution auf der Erde
besser zu verstehen.
Mitte Januar 2005 dringt Huygens dann in die Gashülle des Titan ein.
Während eines zweieinhalbstündigen Sinkflugs am Fallschirm analysiert
der ESA-Lander mit seinen wissenschaftlichen Instrumenten die genaue Zusammensetzung
der Atmosphäre und sammelt Daten unter anderem über chemische
Prozesse und elektrische Eigenschaften, über Luftdruck, Wolken und
Winde. Und eine Bordkamera übermittelt die ersten Bilder von der
Oberfläche des mysteriösen Mondes. Erst dann gibt der frostige
Urahn der Erde den Menschen sein wahres Antlitz zu erkennen.
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Quelle:
European
Space Agency
Weitere Information:
ESA/Cassini-Huygens
Mission
NASA/Cassini-Huygens
Mission
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