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Leoniden schlagen auf dem Mond ein

19. Dezember 2006

Jeder rote Punkt bezeichnet einen beobachteten Meteorideneinschlag seit November 2005. [ Mehr ]


Meteoride schlagen öfter auf dem Mond ein als man erwartet hätte. Dies ist die vorläufige Schlussfolgerung von Bill Cooke, Leiter von NASA's Meteoroid Environment Office, nachdem sein Team zwei Leoniden beobachtet hat, die am 17. November 2006 auf dem Mond einschlugen. "Wir haben nun 11, möglicherweise 12, Einschläge auf dem Mond beobachtet, seit wir vor einem Jahr begonnen haben den Mond zu beobachten," sagt Cooke. "Das sind 4 Mal mehr Einschläge als unsere Computermodelle vorausgesagt hatte."

Wenn dies stimmt, könnte diese Schlussfolgerung die Planung für zukünftige Mondmissionen beeinflussen. Aber zuerst, die Leoniden:

Letzten Monat flog die Erde durch ein "Minenfeld" aus Staub des Kometen 55P/Tempel-Tuttle. Dies passiert jedes Jahr Mitte November und ruft den jährlichen Sternschnuppenregen der Leoniden hervor. Vom 17. bis 19. November wurden sowohl Erde als auch Mond von Meteoriden bombardiert.

Meteoriden welche die Erde treffen, zerfallen harmlos (und wunderschön) in der Atmosphäre. Der Mond besitzt aber keine Atmosphäre, die ihn schützt, weshalb die Meteoriden nicht am Himmel gestoppt werden. Sie schlagen auf den Boden auf. Der Großteil dieser Meteoriden ist so groß wie ein Staubkorn und ein Einschlag wird kaum bemerkt. Größere Teilchen können jedoch einen Krater auf der Mondoberfläche hinterlassen und in einem Blitz aus Hitze und Licht explodieren. Einige dieser Blitze können von der Erde aus beobachtet werden.

Während dem Flug durch Tempel-Tuttle's Staubfeld, richtete Cooke´s Team seine Teleskope (zwei 14" Reflektoren, die sich am Marshall Space Flight Center befinden) auf die dunkle Oberfläche des Mondes aus. Am 17. November, nach weniger als 4 Stunden Beobachtung, zeichneten sie 2 Einschläge auf: einen Blitz der Helligkeit 9 im Meer der Stürme und einen Blitz der Helligkeit 8 nahe dem Gauss-Krater.

"Die Blitze die wir sahen wurden von Meteoriden mit einem Durchmesser von 5-8 Zentimetern hervorgerufen," sagt Cooke. "Sie trafen mit Energien zwischen 0,3 und 0,6 Giga-Joule auf." Einfach gesagt entspricht dies etwa 300-600 Kilogramm TNT.

Oben: Ein Einschlag-Blitz der Helligkeit 8 nahe dem Gauss-Krater. Der Film ist um den Faktor 7 verlangsamt, weil sonst die Explosion fast unsichtbar für das menschliche Auge wäre.

Wie bekommt man so viel Energie aus einem 5cm großen Meteorid heraus? "Die Leoniden reisen schnell -- etwa 230.000 km/h," erklärt er. "Bei dieser Geschwindigkeit hat sogar ein 5cm großer Fels eine enorme Energie."

Zum Vergleich, ESA's SMART-1 Sonde schlug am 2. September auf dem Mond auf und setzte dabei eine Energie von 0,6 Giga-Joule auf der Oberfläche frei -- die gleiche Menge wie der hellere der beiden Leoniden.

"Einschläge von Leoniden sind so energiereich wie der Absturz eines 1,2 Tonnen schweren Raumschiffs!", sagt Cooke.

Zusammen mit diesen letzten Beobachtungen hat Cooke´s Gruppe seit November 2005 ein Dutzend Einschläge identifiziert. Die meisten waren sporadische Meteoriden -- was bedeuetet, sie waren nicht Teil eines jährlichen Ereignisses wie die Leoniden, sondern zufällige Bruchstücke von Asteroiden und Kometen die im Raum herumfliegen. Cooke schätzt, dass alle 4 Stunden ein Blitz beobachtet werden kann, der durch den Einschlag eines großen Meteoriden ausgelöst wird.

Das Lunar Meteorid Einschlags-Observatorium am Marshall Space Flight Center. Im Inneren eines der 14" Teleskope mit denen der Mond beobachtet wird.


Und das ist Überraschend. "Unsere besten Modelle der lunaren Meteorid Umgebung sagen eine wesentlich niedrigere Rate voraus -- nur 25% dessen was wir aktuell beobachten." Das Problem liegt vielleicht bei den Computermodellen: "Sie basieren auf Beobachtungen von Meteoriden am Erdhimmel," und diese Daten lassen sich vielleicht nicht auf den Mond übertragen.

Die Lösung? "Wir müssen mehr Zeit darauf verwenden den Mond zu beobachten," sagt Cooke. "Mit mehr Daten können wir bessere Schlüsse über die Einschlagsrate ziehen."

Die NASA benötigt diese Art der Information für ihre Entscheidung, z.B. ob es sicher ist für Astronauten sich während eines Meteoridenregens auf der Oberfläche aufzuhalten; und um die notwendige Stärke der Schilde von Raumschiffen und Unterkünften zu berechnen.

Quelle:
NASA
Deutsche Übersetzung

 
 

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